Die Wildheit des Göttlichen
Dionysos, der Grüne Mann und eine Theologie des lebendigen Werdens
Religionen und ihre Glaubensinhalte erscheinen heute oft erstaunlich harmlos. Wie sie häufig dafür Sorge tragen, dass ihre
Anhänger sich von jedweder Wildheit abkehren und sich mehr oder weniger brav an moralische Richtlinien halten, so haben
sie auch das Göttliche in einen goldenen Käfig von Regeln und Ordnung gesperrt. Das Heilige, das ergreifen und vielleicht
auch manchmal erschrecken könnte, wirkt dabei wie ein stillgestellter oder gar toter Begriff – ein Gedanke, der eher ver-
waltet als erlebt wird.
Doch in vielen älteren religiösen Traditionen begegnet uns eine ganz andere Dimension des Göttlichen: eine Rohheit und
überschäumende Lebenskraft, die sich nicht in Dogmen fassen lässt und die keinesfalls statische Vollkommenheit vermittelt,
sondern eher von Bewegung, Ekstase und wildem Wachstum spricht. Qualitäten, die auch in unserer modernen Welt äußerst
hilfreich wirken könnten.
In der antiken Welt verkörperten diese Dimension besonders die Mysterienkulte, in denen neben dem »Hören« der Wahrheit auch das Erleben derselbigen im Vordergrund stand. Das Heilige wurde nicht nur durch Vorträge oder Schriften gelehrt, sondern im wahrsten Sinne des Wortes »verkörpert«, das heißt, die Inhalte der Mythen wurden nachgespielt, nacherlebt, nachempfunden, mit dem eigenen Wesen und seinen Sinnen erfasst. So war beispielsweise die Philosophenschule des Pythagoras zugleich eine spirituelle Schule, befassten sich die Schüler nicht nur mit den Akusmata und den Mathemata (den »Hörsprüchen« und den Methoden der Erinnerung an a priori im Menschen Angelegtes doch Vergessenes), sondern gingen darüber hinaus auch einen Einweihungsweg, der durch Rituale und Opferungen zur inneren Verwandlung führte.
Dionysos und die heilige Ekstase
Es steht jedoch zu vermuten, dass die Grundstruktur vieler Mysterien – der Tod des alten Menschen und die Geburt des neuen Menschen – bei Pythagoras und seinen Schülern recht gesittet (vielleicht sogar eher meditativ) ablief, während ältere Kulte wie beispielsweise der um den Gott Dionysos den meisten Anhängern heutiger Religionen die Haare zu Berge stehen lassen würde.
Dionysos ist einer der rätselhaftesten Götter der griechischen Welt. Die Mythen, die sich um ihn drehen, sind ein heilloses Durcheinander: gezeugt von Zeus mit einer Sterblichen, in den Schenkel von Zeus eingenäht und »zweimal geboren«, nach anderen Überlieferungen mit seiner Mutter ins Meer geworfen und später von deren Schwester aufgezogen, vielleicht aber auch von Nymphen erzogen und in späterer Zeit als Dionysos Zagreus identifiziert, der von Titanen zerrissen und verschlungen wurde, um dann mit Zeus‘ Hilfe wiedergeboren zu werden oder aber als der erste Weinstock auf Erden zu erscheinen. Es gibt unzählige Varianten seiner Geschichte – und vermutlich würde es Dionysos selbst sehr gefallen, dass er so rätselhaft geblieben ist wie sein Kult.
Als Gott des Weins, der Fruchtbarkeit, des Theaters und der Ekstase waren seine Feste von Musik, Tanz und rauschenden Orgien geprägt. In der Struktur der Mysterien als Beklagen des Todes und Bejubeln der Wiedergeburt wurden für kurze Zeit die gewohnten Grenzen aufgehoben, sodass gesellschaftliche Rollen, starre Normen und die Kontrolle des Verstandes nur noch eine untergeordnete Rolle spielten oder gänzlich abhandenkamen. Dabei ging es aber nie bloß um Ausschweifung um der Ausschweifung willen, sondern stets um eine religiöse Praktik, die den Menschen aus der Enge sowohl seines rationalen Alltags als auch seiner begrenzten Vorstellungswelt befreien sollte.
Raus aus der Ordnung
Religion als re-ligio, als heilsame Rückverbindung zur wahren Natur des Menschen, als Rückverbindung zum Atem, zum Körper, zum pulsierenden Leben selbst. In dieser entgrenzenden Ekstase, im Tanzen und Singen, im Sich-Verlieren in der Musik entdeckten die Menschen sich wieder als fühlenden Teil der Welt, kamen vom Kopf und Verstand zurück in ihr Herz und ihre Seele.
Die Mythen um Dionysos erzählen immer wieder davon, wie dieser Gott die Menschen aus ihrer gewohnten Ordnung herausruft und sie kopfüber in den großen, ungehemmten Strom des Lebens stößt – hinein in eine Freude, in der sie im positiven Sinne den Verstand verlieren. Seine Begleiterinnen, die Mänaden oder Bacchantinnen (von denen Robert Graves meinte, sie hätten sich nur allzu gern mit psychoaktiven Pilzen vergnügt), ziehen in die Berge und Wälder, tanzen wild zu Trommeln und Flöten, ihr Haar wie auch ihre Sinne offen. Eine erweiterte Bewusstheit, eine unberechenbare Lebendigkeit, ein Eintauchen in einen archaisch-freien Rhythmus, um nicht den Kontakt zu dieser wichtigen Dimension des eigenen Menschseins zu verlieren.
Körperlichkeit, Sinnlichkeit, Selbsttranszendenz … das Ego mit all seinen Ideen von Anstand und Sitte hinter sich lassen, gesellschaftliche Konventionen vergessen und den eigenen Geist in eine grenzenlose Weite hinein explodieren lassen. Dabei selbst spüren, wie das Göttliche diese Welt überschreitet und zumindest temporär diesen Schritt mitgehen.
Bärte, Laub und Hörner
Alte Darstellungen des Dionysos zeigen ihn als bärtigen Mann, der mit Laub, Weinranken und Efeu bekränzt ist, und in denen eine gewisse Ähnlichkeit zu einer anderen Figur europäischer Mythologie auffällt: dem Grünen Mann, der uns vor allem im keltischen Raum begegnet. Die Ursprünge des Letzteren liegen wahrscheinlich in einem Göttinnen- und Fruchtbarkeitskult, der im Neolithikum in der Gegend des Donaubeckens entstand. Hier wurde der Grüne Mann als Begleiter und Beschützer, zugleich aber auch als Sohn und Liebhaber einer Muttergöttin gedacht. (Wie zum Beispiel auch bei Freyja und Freyr aus der germanischen Mythologie war das Inzestverbot für Götter und Göttinnen eher nebensächlich.) Manchmal wurde er auch mit Hörnern oder Schlangen auf dem Kopf gezeigt, die ebenfalls für die Bildnisse von Cernunnos typisch sind, einem keltischen Gott der Natur und Hüter der Tiere, der sich im Laufe der Zeit mit dem Grünen Mann vermischte. Laub und Blätter kamen bei Cernunnos hinzu, die Hörner und Schlangen verschwanden beim Grünen Mann.
Auf der Säule von St. Goar im Hunsrück kann man ein Abbild dieses keltischen Gottes finden, dessen Augenbrauen und Bart aus Blättern gebildet sind. Und der berühmte Kessel von Gundestrup, eine aus Silberplatten bestehende Schale, die ebenso wie die Säule von St. Goar aus der keltischen La-Tène-Zeit stammt, zeigt – neben dem weit bekannteren, meditierenden Yogi-Cernunnos, der sich auf der Innenseite des Kessels befindet – eine Darstellung von Cernunnos Kopf auf der Außenseite des Kessels, bei dem die Haare ebenfalls aus Blättern gebildet sind.
Der »christliche Wilde«
Mit der Zeit entwickelte sich der Grüne Mann immer mehr zu einem eigenständigen Vegetationsgott, von dem letztlich nur noch der Kopf abgebildet wurde. Der gehörnte Cernunnos, den man noch vereinzelt in ein paar irischen Kirchen entdecken kann (zum Beispiel Clonmacnois und Cardonagh) wich im Laufe des Mittelalters den Darstellungen des Grünen Mannes, den wir sowohl im berühmten Book of Kells entdecken können, wie auch – bedingt durch die Pilger- und Missionsreisen keltischer Mönche auf das europäische Festland – in Kirchen in Frankreich, Spanien, Deutschland und Italien, und überraschenderweise sogar auf den Titelblättern mancher Schriften Martin Luthers.
Dieses Blättergesicht, das uns an so vielen Orten entgegen schaut, ist ein beredter Inbegriff von Wachstum und Gedeihen, von stetigem Werden und wildem Wuchern, von Wandel im Laufe der Jahreszeiten, von der Heiligkeit der Schöpfung und des Lebens. Aus heidnischer Zeit stammend, aber auf dem Sonderweg des keltisch geprägten Christentums in die neue spirituelle Lehre integriert, zeigt das Bildnis des Grünen Mannes mit seinen Ranken und Blättern die unbestimmte göttliche Kraft, die die fruchtbare Welt an jedem einzelnen Tag durchdringt, und zugleich in seinem uns zugewandten Gesicht einen persönlich ansprechbaren Gott. Offenbar fanden die keltischen Christen es nicht verwerflich, diese Art der Darstellung zu nutzen, um ihrem christlichen Verständnis der Welt Ausdruck zu verleihen.
Wenn die Vegetation, die uns Menschen und alle anderen Wesen, mit denen wir uns diese Welt teilen, nährt, aus dem Inneren des Geheimnisses hervorquillt, scheint der Grüne Mann (aus dessen Mund und Wort eine grüne Kraft erwächst) tatsächlich ein gelungenes Bild dieses schöpferischen Vorgangs zu sein.
Möglicherweise erkannten sie in diesem Bild sogar etwas, das ihnen aus der Gestalt Jesu vertraut war. Jemanden, dem das Leben wichtiger war als starre Regeln, dem die Menschen näher waren als abstrakte Vorschriften, und dessen Worte nicht trennten, sondern zum Leben ermutigten. Einen Weisheitslehrer, der – wie die Natur selbst – die großen Mysterien von Sterben und Werden verkörperte: das Loslassen, das Vergehen, die verborgene Wandlung und das erneute Aufblühen. So wie das Grün im Winter vergeht, um im Frühling neu hervorzubrechen, so wurde auch in der christlichen Erzählung das Leben nicht durch den Tod beendet, sondern durch ihn hindurch verwandelt.
Im Blick des Grünen Mannes war eine stille Gegenwart spürbar – als ruhten seine Augen auf den keltischen Christen und erinnerten sie daran, der Natur mit Respekt zu begegnen, achtsam mit dem Leben umzugehen und sich selbst als Teil dieses großen Zusammenhangs zu verstehen. Ein Empfinden, das gar nicht so weit entfernt von dem Bewusstsein war, unter dem Blick Gottes zu leben: getragen von einer Kraft, die allem zugrunde liegt, was wächst und gedeiht, und die in jedem Atemzug neu Anlass zur Dankbarkeit gibt.
Schöpfung als Entfaltung
Die Gottesvorstellung, die im Bildnis des Grünen Mannes auf so wunderbare Weise aufscheint, unterscheidet sich sehr vom »unbewegten Beweger« eines Aristoteles: Es ist kein vollkommener, unveränderlicher und außerhalb der Welt stehender Uhrmacher-Gott, sondern ein gegenwärtiger und erlebbarer Prozess, der im Blattwerk der Wälder, im Aufbrechen der Knospen, im langsamen Reifen der Früchte aufscheint, wenn wir lernen zu sehen. (Oder wenn wir still sind und wahrhaft zuhören können, wie Pythagoras es formuliert hätte.)
Solch ein Erfahren einer immerwährenden Offenbarung des Göttlichen in der Natur ist auch Thema eines eher unbekannten Zweiges moderner Theologie: der sogenannten Prozesstheologie, die – ausgehend von der Philosophie Alfred North Whiteheads – das Göttliche ebenfalls nicht als unveränderliche Instanz außerhalb der Welt, sondern als lebendigen Prozess innerhalb der Welt versteht. Gott ist nicht der Architekt eines fertigen Universums, sondern eine schöpferische Kraft, die sich fortwährend in die Welt hinein entfaltet beziehungsweise Möglichkeiten erzeugt, wie die Welt sich selbst immerfort schaffen kann, während jedem Wesen die Freiheit des Werdens, Wachsens und selbstbestimmten, aktiven Handelns zukommt.
Die amerikanische Theologin Catherine Keller formuliert diesen Gedanken mit einem schönen Bild: »Das Geheimnis ist kein stehendes Gewässer, sondern eine fließende Unendlichkeit.« Eine fließende Unendlichkeit und dynamische Wirklichkeit, ein Strom von Möglichkeiten, der sich in jeder neuen Erfahrung der Welt verwirklicht.
Grenzenloses Potenzial
In diesem Verständnis erscheinen die Welt, unsere Rolle als Menschen in ihr und der Begriff der Wildheit in einem neuen Licht. Es geht nicht um einen einmaligen Akt, bei dem eine fertige Welt aus dem Nichts hervorgebracht wurde. Vielmehr gleicht alles einem fortdauernden Wachstumsprozess, einem wahren Hervorbersten ins Leben – in jeder Minute, jeder Sekunde dieses verwirrend schönen Kosmos. Lebenskraft und Erdkraft verbinden sich, Geist und Materie feiern in jedem Moment eine Heilige Hochzeit, eine wilde Schöpfung probiert sich aus und lässt unentwegt neue Formen entstehen.
Eine einzelne Löwenzahnpflanze produziert etwa 200 bis 5000 Flugsamen, Feldmausjunge sind bereits wenige Stunden nach der Geburt geschlechtsreif, die Gesamtbiomasse des antarktischen Krills beträgt etwa 500 Millionen Tonnen, die Wasserlinse kann ihre Masse innerhalb von drei Tagen verdoppeln, das Universum dehnt sich weiter aus, neue Planeten entstehen, unsere Sonne brennt in ihrem Kern mit etwa 15 Millionen Grad Celsius … und Menschen tanzen, meditieren, lieben und beten inmitten dieses riesigen Wunders. Wie kann es sein, dass wir nicht ständig mit heruntergeklappter Kinnlade herumlaufen, uns die Augen reiben und uns fragen, wie es sein kann, dass wir genau hier, genau jetzt lebendig sein dürfen?
Wenn Religion wahre re-ligio wäre und uns wieder mit dem verbinden würde, was wesentlich für uns Menschen ist, dann führte sie uns vor allem zu diesem Staunen zurück. Zu einem Staunen über die Wildheit des Göttlichen, über das ständige Aufblühen von Möglichkeiten, über das Keimen eines einzelnen Samens. Dann würde das Göttliche wieder als Feuersäule vor uns herziehen, dann würden wir mit Dionysos tanzen und mit Pythagoras der Sphärenmusik lauschen, wir würden das Heilige nicht nur in Tempeln und Dogmen, sondern auch im Wachsen der Pflanzen, im Rhythmus der Jahreszeiten, im pulsierenden Leben des eigenen Körpers, in Erektion und Lubrikation ehren, dann würden wir das Heilige nicht zähmen wollen, sondern einzig seine Lebendigkeit feiern.
Wir würden erkennen, dass die Welt Werden ist, und dass Gott das Werden in der Welt ist, sich selbst in seine Schöpfung hineinlebt, seine grenzenlose Potenzialität im Wachstum der Pflanzen ebenso sichtbar werden lässt wie im Wunder der Reifung eines Embryos und Fötus sowie der nachfolgenden Geburt eines Menschenkindes, bei der aus einem Zellhaufen ein beseeltes, herumkrabbelndes Baby und bald ein zauberhaftes Kleinkind wird. Wir würden verstehen, dass die Welt nicht nur einmal erschaffen wurde, sondern jeden Tag aufs Neue entsteht.
Das Wilde reanimieren
Wir leben jedoch in einer Kultur, die möglichst alles kontrollieren, berechnen und erklären möchte. Die das Leben einhegen und vorhersagbar machen möchte. Die jede Unsicherheit beseitigen und jede Wildnis in einen Schrebergarten oder eine Betonwüste verwandeln möchte.
Viel zu lange haben sich Religionen an diesen Ambitionen beteiligt, anstatt auf den wilden Aspekt des Göttlichen hinzuweisen. Sie haben aus einer überschäumenden Fruchtbarkeit und einer grenzenlosen, oftmals nicht zu verstehenden und manchmal vielleicht auch überfordernden Liebe einen fernen Buchhalter gemacht, der ihren Vorstellungen von Ordnung entsprach und der fast an seiner eigenen Langeweile verendete. Aus einem Geheimnis wurde ein Regelwerk.
Doch das Leben selbst entzieht sich genau wie das lebendig Göttliche einer vollständigen Kontrolle. Es wächst, verändert sich, überrascht uns. Es ist kreativ, manchmal chaotisch, oft überwältigend. Und genau in dieser Ungezähmtheit liegt das Heilige. Jenseits von starren Prinzipien bewegt es sich, verwandelt Wasser in Wein (und nicht etwa umgekehrt), bringt immer neue Mysterien hervor, lässt wildes Grün aus sich hervorquellen, tanzt, lacht und spricht in jedem Augenblick die Einladung aus, an diesem großen Werden teilzuhaben.
Mutig springen
Nehmen wir diese Einladung an, dann folgen wir vertrauensvoll unserem Herzen (das in seinem Innersten ebenso wild ist wie die Welt) und springen kopfüber ins Mysterium. Wohin wir mit diesem mutigen Sprung gelangen, ist nichts anderes als das Leben selbst – die Quelle, aus der Wölfe, Bergziegen, Hornissen, Amseln, Eichen und wir Menschen gemeinsam trinken und die Dionysos und seine Anhänger trunken macht. Dem Wilden zu vertrauen und nicht zwanghaft alles analysieren und sezieren zu müssen, schenkt unserer Seele Kraft und Selbstachtung, um das Leben mit all seinen Rätseln, Geheimnissen und Widersprüchen einzuatmen, unserer Sehnsucht nachzugehen, zu reifen, zu wachsen und einen Zauber in allem zu entdecken, was uns begegnet.
Mit dem Wilden im Geist und im Herzen entgehen wir einem allzu geradlinigen Dasein, das nur Sicherheit kennt, aber keine Tiefe. Ebenso entgehen wir einer Spiritualität, die mehr aus Konzepten als aus Erfahrung besteht, einer Spiritualität, die das Leben erklärt, aber nicht mehr berührt. Stattdessen beginnen wir, die weißen Flecken unseres eigenen Daseins zu erforschen. Wir setzen unsere Segel, ohne die genaue Route zu kennen, sind bereit für Umwege und Überraschungen und lassen uns verwandeln von dem, was wir in der Welt und in uns selbst entdecken. Uns wird ein neuer Geist und ein neues Herz geschenkt, ein Geist des weiten Blicks sowie ein lebendiges, fühlendes Herz anstelle eines verhärteten und verschlossenen. Wir spüren unseren Puls bewusster, unseren Atem tiefer, und beginnen, in einer Weise durch die Welt zu gehen, die von Schönheit und einer stillen, gesunden und heilsamen Ehrfurcht getragen ist.
»Alle guten Dinge sind wild und frei«, schrieb Henry David Thoreau Mitte des 19. Jahrhunderts. Wild und frei wie unser ursprüngliches, ungezähmtes Inneres und ebenso wie unsere Lebensreise, die von der Quelle zum Meer führt und irgendwann auf uns unbekannte Weise wieder zur Quelle wird. In diesem Kreis wird uns irgendwann bewusst, dass wir nicht vom wilden Zauber der Welt getrennt sind und dass in diesem Einssein echtes Glück verborgen liegt.
Dirk Grosser
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